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Kreisgruppe Aachen Land

Obstwiesenprojekt der BUND-Kreisgruppe Aachen-Land

 (BUND Aachen Land)

Praktischer Naturschutz vor Ort! Früher waren viele Orte/Dörfer von Obstwiesen umsäumt. Diese sind seit den 1950er Jahren den Erweiterungen für Wohn-/Gewerbegebiete oder Umgehungsstraßen zum Opfer gefallen (gerodet worden). Erst seit …. müssen Eingriffe in die Natur auch wieder kompensiert (ausgeglichen) werden. Diese Kompensationen können seit …. Auch wieder in Form von neu angelegten Obstwiesen erfolgen. Dummerweise müssen die Bauleitträger (die Organisation/Behörde, die den Eingriff in die Natur vornimmt), nur für eine begrenzte Zeit (meist 5 oder 10 Jahre) die Obstwiese pflegen.

Spätestens hier steigen wir ein. Gemeinsam mit den von der Biologischen Station ausgebildeten ehrenamtlichen Obstbaumwarten wollen wir die Pflege und die ökologische Weiterentwicklung übernehmen. Pflanzen von Wildblumenstreifen, weiteren Heckengehölzen und Bäumen als Bienen- und Schmetterlingsweide, Anlage von Blänken (Vertiefungen im Boden, wo sich Pfützen länger halten können) für Amphibien, Libellen und Schmetterlinge oder Ernte und Versaftung des Obstes und der Obstbaumschnitt um die Bäume vital zu halten.

Seit vielen Jahren betreuen wir mehrere Obstwiesen im ehemaligen Kreis Aachen. Im Rahmen eines Projektes der Energie-und-Wasserversorgung (EWV) wurde 1998 gemeinsam mit mehreren Grundschulklassen eine ca. 1 ha große Wiese in Alsdorf, hinter der Grundschule in Siedlung Ost mit 25 Obstbäumen be­pflanzt. Außerdem wurden dort mehrere Hecken angepflanzt und eine Trockensteinmauer angelegt. Dieses Projekt wurde anschließend im Wettbewerb mit ca. 20 anderen Projekten von der EWV prämiert (2. Platz).

1999 konnte in Alsdorf-Ofden eine Obstwiese mit 12 Obstbäumen angepflanzt werden. Dort wurden zusätzlich eine große Wallhecke, eine einreihige Weißdornhecke sowie eine Trockensteinmauer angelegt.

2002 bekamen wir in Stolberg Schevenhütte, Im Bend den Zutritt zu einer ganz alten Obstwiese (ca. 30 Bäume, darunter auch zwei Walnuss-Bäume). Es ist vorgesehen, dass der BUND diese erben soll. Dort mussten zunächst 8 abgängige Bäume durch Neupflanzungen ersetzt werden. Das Pflanzmaterial hat der Kreis Aachen über die Biologische Station zur Verfügung gestellt.

2005 wurde in Eschweiler-Hastenrath eine Obstwiese mit ca. 30 Bäumen und einer langen Weißdornhecke neu angelegt.

Im Jahr 2009 hatten wir einen Förderantrag an die Kulturstiftung der Sparkasse Aachen für unser Obstwiesenprojekt gestellt. Daraufhin wurde uns ein Förderbetrag in Höhe von 1.500,- € bewilligt. Dieses Geld wurde in 2010 eingesetzt, um die alten Bäume im Bend massiv schneiden zu lassen (die waren seit langer Zeit nicht mehr gepflegt worden) und bei allen jungen Bäumen einen „Erziehungsschnitt“ vornehmen zu lassen. Allen geschnittenen Bäumen ist anzusehen, dass diese Maßnahme notwendig und erfolgreich war.

Auf allen unseren Wiesen sind Hochstamm-Obstbäume gepflanzt. Dabei wurden ausschließlich „alte Sorten“ verwandt. Auf der Wiese in Stolberg Schevenhütte befinden sich z.B. noch mehrere Apfelbäume der Sorte Eifel-Renette. Bei Birnbäumen wird z.B. die Sorte „Schafsnase“ gepflanzt.

Unsere Arbeiten umfassen:

  • Bis 2014 haben wir unser Obst bei der Biologischen Station abgeliefert, die das Obst an eine Saftkelterei am Niederrhein lieferte, wo es gepresst und in Flaschen abgefüllt wurde. Dann konnten wir die Kreuzauer Saftpresse (Privat) nutzen. Beides stieg angesichts des Aufkommens an die Leistungsgrenzen. Seit 2017 nutzen wir die mobile Saftpresse der BINE e.V. mit. Hier haben wir nun genügend Kapazitäten und genügend Termine vor Ort

  • Die Obsternte; die Äpfel werden zur Biologischen Station transportiert, die sie versaften.

Apfelernte Obstwiese Im Bend

  • Die Nachpflanzung abgängiger Bäume und die Anpflanzung von Hecken

  • Bäume, die voller Misteln sind oder an Obstbaum-Krebs leiden, werden gefällt und ersetzt

  • Verbissschutz anbringen um zu vermeiden, dass die Bäume von Pferden verbissen werden

  • Schaffung einer „Unternutzung“ der Wiese. Durch eine Viehbeweidung entstehen Lebensräume z.B. für Steinkäuze. Da, wo eine Beweidung nicht möglich ist (z.B. Alsdorf Siedlung Ost) erfolgt eine regelmäßige Mahd

  • Bei den jungen Wiesen werden Nisthilfen angelegt, bis dass die Bäume und Sträucher groß genug sind und selber Nistmöglichkeiten anbieten

    • Fledermäuse

    • Steinkauz

    • Stare

    • Meisen und Sperlinge

    • Haus- und Gartenrotschwanz

    • Schleiereulen

    • Insektennisthilfen 

Bilder Obstwiese

Ein kleiner Einblick in unsere Arbeit ;-)

Unterstützung von Singvögeln & Insekten

Insektennisthilfe auf Streuobstwiese an den Hundforter Benden (Herzogenrath)

Obstwiesen gehörten früher zu unseren Dörfern. Für die Landwirte waren sie sowohl Viehweide als auch zusätzlicher Ertrag: Das geerntete Obst wurde direkt gegessen oder eingemacht, u.U. auch zu Schnaps gebrannt. So entwickelten sich durch die Pflege ganz tolle Biotope rund um unsere Dörfer: Für Steinkäuze, Wiedehopf, Schleiereulen und viele andere Tiere und Pflanzen. Nach dem zweiten Weltkrieg kam das Wirtschaftswunder: Viele Dörfer wuchsen, Wohnraum wurde geschaffen, Umgehungsstraßen und auch Platz für Gewerbegebiete. Das alles ging zu Lasten der Natur: Es gab damals sogar Prämien für die Beseitigung von Obstwiesen.

Inzwischen stellen wir eine erhebliche Verarmung der Natur fest. Viele Tiere und Pflanzen der Kulturlandschaft verschwinden und damit immer mehr Insekten (Schmetterlinge, Libellen, Bienen und Hummeln) und in deren Folge auch viele Singvögel. Es gibt viele Ursachen dafür; eine davon ist das Verschwinden von Obstwiesen. Seit etwa 10 Jahren können in unserer Region Obstwiesen wieder neu angelegt werden zum Ausgleich von Eingriffen in die Natur. Wenn ein neues Wohngebiet, ein Gewerbegebiet oder eine Umgehungsstraße in die freie Landschaft hinein gebaut wird, entsteht meist in der Nähe eine entsprechend große Obstwiese. Der Ausgleichspflichtige (die planende Behörde, die das Bau- oder Gewerbegebiet oder die Straße baut) muss diese Obstwiese dann eine gewisse Zeit pflegen und überlässt sie dann i.d.R. sich selber.

Wir als BUND steigen da ein: Gibt es Möglichkeiten, diese Wiese aus ökologischer Sicht zu optimieren? Meist lohnt es sich, Nisthilfen für Insekten, Vögel oder Fledermäuse anzulegen. Oder eine Hecke oder Blänke (Vertiefung, in der sich Wasser länger hält für Amphibien). Wir geben Obstbaumschnitte in Auftrag, um die Bäume möglichst vital zu erhalten. Auch die Ernte und Verwertung des Obstes gehört zu den ökologischen Arbeiten. Da arbeiten wir mit vielen anderen zusammen, z.B. Imkern, BioStation, Obstbaum-Warten, BINE e.V.

Dabei stellt die Unternutzung einer solchen Wiese eine erhebliche Steigerung des ökologischen Wertes dar. Wenn die Wiese regelmäßig genutzt wird, können sich wesentlich mehr Wiesenblumen dort entwickeln: Eine Wiese in Alsdorf, Siedlung Ost (angelegt 1999 im Rahmen eines Schulprojektes zusammen mit mehreren Hecken und einer Trockensteinmauer) war anfangs zu mehr als 1/3 mit Brennnesseln bewachsen. Diese sind ein sogenannter Stickstoff-Anzeiger; wo die wachsen, ist ein erheblicher Überschuss an Stickstoff = Nährstoffe, so dass andere Wiesenpflanzen dort keine Chance haben. Wir haben die Wiese regelmäßig gemäht und das Mahdgut abgetragen. Inzwischen sind die Nährstoffe dort auf ein normales, erträgliches Maß zurückgegangen (sogenannte Ausmagerung) mit dem Erfolg, dass jetzt auch weitere Wiesenblumen (z.B. Wiesenbärenklau, Akelei und Wiesenschaumkraut) dort wachsen und den Insekten Nahrung bieten. Die am Ersten angelegte Obstwiese in Alsdorf am Fuß der Bergehalde Maria-Hauptschacht wird von Beginn an von einem Vertragslandwirt gemäht. Allmählich geht der Heuertrag auf ein normales Maß zurück weil der Boden inzwischen soweit ausgemagert ist. Es entwickelt sich dort u.a. die Wegwarte und Malven. Eine andere recht junge Wiese in Alsdorf-Hoengen wird ebenfalls von einem Landwirt regelmäßig gemäht. Auch der trägt das Heu ab. Das ist gut so und erhöht den ökologischen Wert. Es bleibt aber abzuwarten, wann die Bäume so groß sind, dass er nicht mehr mit seinem großen Traktor dort fahren kann. Wir konnten gemeinsam mit BINE e.V. einen guten Balkenmäher anschaffen und werden diese Arbeiten dann hoffentlich weiter fortführen können. Da ist ganz viele ehrenamtliche Arbeit gefordert.

Bei einer weiteren Wiese in Alsdorf-West (Nähe Waldstraße) können wir endlich auch eine Schafbeweidung realisieren. Das Grundstück (ca. 4.790 m³) gehört einem Privatmann, der es für diese Zwecke zur Verfügung gestellt hat. Wir haben gemeinsam mit Bündnis 90/Die Grünen Ortsverband Alsdorf dort 100 Heckensträucher (Weißdorn, Wolliger Schneeball und Hainbuche) sowie 4 Eschen als Durchwachser gepflanzt. Von Timo Sachen (www.baumgenuss.de) haben wir 4 Apfelbäume (Hochstämme) u.a. Rheinisches Seidenhemdchen, Eifler Rambour bekommen, die wir dort gepflanzt haben. Zum Sommer 2018 kommen endlich auch die Schafe: Eine Alsdorfer Schafhalterin stellt 2 Ungarische Zackelschafe sowie 4 Wensledayle Longwool zur Verfügung, die hier die Aufgabe des Rasenmähens übernehmen. Diese Art der Unternutzung sollte – anders als das regelmäßige Mähen – den ökologischen Wert nochmal anders steigern.

So bemühen wir uns, gemeinsam mit vielen weiteren Akteuren, die Obstwiesen zu einem Refugium für viele Tiere und Pflanzen weiter zu entwickeln. Davon profitieren Schmetterlinge (z.B. Tagpfauenauge), Hummeln und Bienen, viele Spinnen und Laufkäfer, Libellen aber auch viele Singvögel wie Gartenrotschwanz, Bachstelze, Stare, Spechte, Halsbandschnäpper usw. In unserer absolut intensiv genutzten, urban geprägten Landschaft stellen diese Obstwiesen (Ausgleichsflächen) total wertvolle Biotope dar. Unsere ehrenamtliche Arbeit dort lohnt sich.

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